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"Die Welle" - ein Ende mit Schrecken ...  (Gesehen) Verfasst: Freitag, den 11. April 2008 14:39

<Prolog> Das ist für alle, die heute Geschichte-Prüfung hatten. </Prolog>

"Die Welle", D 2008

Gestern widerfuhren mir zwei Dinge, die man mir vielleicht gar nicht zugetraut hätte (mit Recht, wenn ich das so sagen darf): 1. Ich war nach neun Monaten Abstinenz mal wieder im Kino. 2. Ersteres gar in der Begleitung von drei Mädchen. Bevor das Erstaunen Überhand nimmt, muss ich dazu sagen, dass es dazu eher zufällig kam, da ich meine Schwester mit ihren Freundinnen ins benachbarte Lemgo zum Kino bringen sollte und kurzerhand mich unauffällig anschloss, weil ich "Die Welle" ohnehin sehen wollte. Und zwar legal, ihr kleinen Verbrecher.

Eigentlich ist alles, wie man es sich vorstellt. Ein Alt-Anarcho als Lehrer, der sich duzen lässt und den man vielleicht auch gerne mal erlebt hätte. Eine Klasse mit Schülern, die zum größten Teil von 12 bis Mittag denken und deren Hauptwortschatz aus "Hey Alter" und "Scheiße" besteht. Aber dann nimmt dieser Film eine neue Dimension an. Durch die eine Frage, die bewusst am Anfang gestellt wird: "Ist eine Diktatur in Deutschland heute noch möglich?"

Es ist diese Frage, die den Zuschauer durch den ganzen Film hindurch in Atem hält. Wer das Buch gelesen hat (meinem Eindruck nach sind das die allermeisten), findet das meiste wieder. Zwar gewinnt man leicht den Eindruck, dass diese drastische Entwicklung innerhalb von nur einer Woche doch recht überzeichnet ist, aber da ist immer noch dieser Satz aus dem Vorspann: "Nach einer wahren Begebenheit". Man mag es nicht glauben.

Zwischendurch driftet das Ganze dann doch zeitweise recht stark in Richtung Bronx-Jugendgangs ab und dass da ein Hochhaus angemalt wird, habe ich im Buch auch nicht gefunden (glaub ich jedenfalls, ist schon lange her). Aber der Zweck heiligt nun einmal die Mittel und in jedem Fal wird die unheimliche Eigendynamik dieses Projektes mehr als deutlich. Vor allem an der Entwicklung des Außenseiters (Name vergessen) wird das deutlich. Auf der Jagd nach Anerkennung in der "Welle" scheinbar endlich am Ziel angekommen, tötet er nach der Auflösung durch den Lehrer zuerst einen Kollegen und dann sich selbst.

Ein Ende, dass Dennis Gansel (der Typ scheint gut zu sein, spielt übrigens auch kurz mit) ganz offensichtlich bei irgendwelchen US-Amokläufen abgeschrieben hat. Deshalb wirkt dieser Filmschluss doch ein wenig überspektakulär, aber auch hier gilt: für eine klare Vermittlung der Botschaft eigentlich genau das Richtige, ein schockierendes Ende, nicht so prosaisch wie im Buch. Der Außenseiter übrigens ganz vorzüglich gespielt vom Mauer-Klavierlehrerinnen-DDR-Pionier (mein Geschichtskurs weiß, wen ich meine {#}).

Letzlich ist das kein Film, nach dem man sich ins Auto und EinsLive einschalten sollte. Über diesen Film muss man reden, ihn verarbeiten, denn dieses Thema ist auch heute zu wichtig, um unter den Tisch zu fallen. Mir jedenfalls ist durch den Film einiges klar geworden, was ich beim Buch - vielleicht auch weil ich damals noch klein und dumm war - nicht gesehen hatte. Alles in allem sehr empfehlenswert. Und weil ich in den vergangenen Tagen so oft gehört habe "Für einen deutschen Film ziemlich gut": Sind deutsche Filme normalerweise schlecht? Finde ich eigentlich nicht unbedingt. Aber ich kenn mich auch nicht aus.

Wer den Film kennt, ist natürlich wieder einmal herzlich eingeladen, seine Meinung via Kommentar beizusteuern. Danke. 

 

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