"Stiller", Max Frisch (1954)
Erster Satz: Ich bin nicht Stiller!
Letzter Satz: Stiller blieb in Glion und
lebte allein.
Vorwort: Auf dem aktuellen Album der Popband Wir sind Helden findet sich u.a. das Lied "Stiller". Interessant zu sehen, woher manche Kapellen ihre Texte haben.
Der erste Satz ist Legende. Dieses Buch beginnt vielversprechend. Mit ebendiesem, berühmten ersten Satz und einem Mann im Gefängnis, der immer, wenn jemand in die Nähe seiner Zelle kommt, nach Whisky ruft: "Denn ohne Whisky bin ich nicht ich selbst." J.L. White aus den USA wird in der Schweiz festgehalten und für den verschollenen Künstler und Spion Stiller gehalten. Er wehrt sich nach Kräften, übernimmt aber mehr und mehr die Identität Stillers, bis er ganz in ihr aufgeht. Von einem Gericht wird er quasi dazu verurteilt, Stillers Identität anzunehmen und sein Leben weiterzuführen. Irgendwie endet alles in einem unförmigen, undefinierbaren Nichts mit unsympathischen Figuren.
Das Hauptthema des Romans ist ganz eindeutig das Finden, Verlieren und Behalten einer Identität, möglichst der eigenen. Das in vielen Interpretationen auftauchende Thema des Suchens der fehlenden Worte habe ich nur selten, zu selten finden können. Björn schrieb vor längerer Zeit, dass in diesem Buch eine halbe Seite leer sei. Eine geniale Idee, wie ich fand, jedoch konnte ich die leere Halbseite nirgends finden und wüsste auch nicht, wo sie hingehört. Auf dieses Buch hatte ich mich monatelang gefreut (und ja: es war nicht ganz einfach aufzutreiben), am Ende hat es mich mehr enttäuscht als überzeugt.
Jetzt bin ich nicht stiller, würde aber so gerne schweigen. Was ich hiermit tue.
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