Wer gehofft hatte, ich würde dieses Thema unter den virtuellen Tisch fallen lassen, wird hiermit enttäuscht. Zuvorderst ein paar persönliche Eindrücke. Zunächst möchte ich mein Missfallen über die Preise der Deutschen Bahn aussprechen. Dann soll auch der seltsame Umstand, dass man in Detmold bei schönem Wetter ein- und eine halbe Stunde später bei Regen aussteigt (natürlich mit unangemessener Kleidung) erwähnt werden. Und dass drei Kilometer Fußweg im Regen Ewigkeiten dauern können.
Jetzt aber zur Sache. Stefan Niggemeier ist Medienjournalist, Gründer des erfolgreichsten deutschen Blogs "Bildblog" und damit so etwas wie der Superstar der deutschen Bloggosphäre. Umso erstaunlicher, dass eine solche Koryphäe den Weg ins verschlafene Paderborn fand, wo er im Rahmen der Reihe "Tool Time" zum Thema "Allein gegen alle - die Zukunft der Medienkritik" an der Uni referierte. Angeleiert wurde das ganze vom Institut für Medienwissenschaften, wo ich eine Zeitlang auch zu studieren überlegte.
Die Hauptthemen des kleinen Vortrags: Bild,
Verhältnis von Blogs und Zeitungen sowie Medienkritik in
Deutschland. Die Medienkritik in unseren Breitengraden
steckt laut Stefan Niggemeier in einer tiefen Krise, völlig
unverständlicherweise. Vor allem die klassischen Medien tun
sich auf diesem Gebiet nach wie vor schwer. Diese Aufgabe werden
wohl auch in der nahen Zukunft die Blogger übernehmen.
Ehrenamtlich übrigens, auch wenn Stefan (ich habe die
offizielle Erlaubnis, ihn zu duzen
) als
einer von wenigen vom Bloggen allein lebt. Eine wirkliche
Konkurrenz zur Zeitung sind Blogger indes nicht, eher eine
Ergänzung.
Extrem interessant Stefans Ausführungen zum Thema "Bild", auf das sich auch die meisten Fragen in der anschließenden Diskussion bezogen. Nicht ganz folgen konnte ich der These "Die Macht von Bild ist so groß, weil alle daran glauben". Ich empfinde die Macht von Bild schon als außerordentlich groß und auch bedrohlich. Denn welche andere Zeitung präsentiert jeden Tag eine nackte Frau auf Seite 1 und bekommt trotzdem eine Exklusiv-Audienz beim Papst? Dem absurden Verhalten der Bild-Zeitung, insbesondere in der Berichterstattung, tritt Stefan mit einigen Kollegen mit der Plattform "Bildblog" entgegen. Meine Frage, ob er das Gefühl habe, mit "Bildblog" eine Veränderung bei den Lesern und bei Bild selbst erreicht zu haben, konnte ich hinterher leider nicht mehr stellen.
Zum Schluss noch ein Satz von Stefan über das Bloggen, dem ich absolut zustimme: "Es ist gut, seine Gedanken irgendwo abladen zu können." So kommt er rüber, der Stefan Niggemeier, genauso wie man ihn als Blogleser kennt: locker, entspannt, ironisch, unangepasst und kein bisschen akademisch. Wobei zu dem letzten Punkt zu bemerken bleibt, dass der Institutsleiter oder so lauter lachte als alle Zuhörer zusammen. Apropos Zuhörer: es passten dann doch alle in den Raum, es kamen weniger Leute, als ich erwartet hatte; es gab keine kranken und Gebrechlichen, keine Tränen, keine Slips, noch nicht einmal Teddybären. Aber um das zu verstehen, muss man Stefans Blog gelesen haben.
So weit der Bericht von einem hochinteressanten, informativen und spannenden Abend. Und für alle, die es noch nie gesehen haben, hier einmal der Werbespot für Bildblog.
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