Ich fühlte mich kürzlich
an ein "Lustiges Taschenbuch", das ich zu Kinderzeiten gelesen
hatte, erinnert. Donald Duck sucht einen Ort zum Picknicken, wird
aber in der Großstadt Entenhausen nicht fündig. Deshalb
steigt der Enterich umgehend aus und zieht in ein Baumhaus, fernab
der Zivilisation (nein, dieser Ort hieß nicht Teencamp
). Doch plötzlich tauchen auch dort
TV-Teams auf, die Donald auf Schritt und Tritt folgen, bis er
entnervt in die Stadt zurückkehrt.
Ungefähr die gleiche Geschichte scheinen mir die Internet-Aussteiger zu erleben. Es ist populär geworden, sich in einem waghalsigen Selbstversuch, von dem man nicht weiß ob und in welchem Zustand man ihn überleben wird, von Internet und wahlweise auch Handy loszusagen. Namentlich handelt es sich dabei um den Fernsehmoderator Jörg Pilawa und einen Jungkolumnisten eines Hamburger Magazins. Mittlerweile hat die Internet-Abstinenz den Abenteuerfaktor erreicht, den früher ein Trip in die Wildnis genoss, und geht gut und gerne als Ersatz für jedes Survival-Training durch. Ist der Versuch erst geschafft, führt der erste Weg zu Markus Lanz (Pilawa) oder zur Hausgazette (unbekannter Kolumnist). Dort werden sie gefeiert wie die letzten wahren Helden unserer angepassten Medienwelt - die letzten Offline-Mohikaner.
Welchen Sinn sollen solche radikalen Aussteigerversuche haben? Solange man das Internet nicht wirklich braucht, ist es legitim (sogar empfehlenswert?), darauf zu verzichten. Danach hingegen ist es geradezu fahrlässig. Ich halte es zwar nach wie vor für möglich, ohne Internet durch das Schulleben zu kommen, bei der Uni wird es schon erheblich schwieriger. Aber wozu sollte man auf die wikipedia-Bequemlichkeit verzichten, wenn der Weg zur Bücherei und die Suche im Brockhaus mindestens fünfmal so lange dauert? Warum auf Mails und Chat verzichten, wenn Telefon und Handy Geld kosten?
Ich bin absolut kein bedingungsloser Anhänger moderner Medien, aber die Glaubwürdigkeit dieser Technik-Aussteiger ist gering. Unsere Generation kann ohne Internet leben, behaupte ich. Aber nicht so gut wie mit.
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