Der Idiot, Fjodor Dostojewski (1868)
Dostojewski ist eine hervorragende Lektüre, wenn nicht jetzt, dann in einer nicht allzu fernen Zukunft, wenn man ihn zum ersten Mal überhaupt richtig verstehen wird. (Ossip Mandelstam, 1922)
Aus allen Richtungen hört und liest man die großartigsten Lobeshymnen über Fjodor Dostojewski, den großen russischen Schrifsteller des 19. Jahrhunderts. Ich muss leider zugeben, dass ich mit Dostojewski nicht wirklich zurechtkomme. Ich analysierte mich kurz und kam auf folgende Gründe:
1. Dostojewski ist zu langatmig, man braucht unheimlich viel Ausdauer.
2. Übersetzungen sind nie so gut wie das Original.
3. Diese russische Gesellschaft ist absolut nicht meine Welt.
4. Man kann sich diese langen russischen Namen (Nastassja Filippowna Baraschkowa) nicht merken
"Der Idiot" ist ganze 890 Seiten stark, ich habe nach 150 aufgehört, auch aus Zeitgründen. Daher kann ich mir kein abschließendes Urteil erlauben. Dennoch: Dostojewski schreibt tolle Geschichten, hat aber seine "Schwächen". Ich weiß wohl, dass großartige Literatur keine Frage der Länge ist, aber Dostojewski hält sich zu oft mit interessanten, aber unwichtigen Kleinigkeiten auf. Seitenlang darf Füst Myschkin mit den Töchtern des Generals über Hinrichtungen und Mädchenschicksale in der Schweiz philosophieren. Das mag wichtig für Charakterisierung und ähnliche Wissenschaften sein, den Fortgang der Geschichte hält es eher auf.
Gotthold Ephraim Lessing hat es schon 1771 am Beispiel des damals verehrten Dichters Klopstock auf den Punkt gebracht:
Wer wird nicht einen Klopstock loben / doch wird ihn jeder lesen? Nein! / Wir wollen weniger erhoben / und fleißiger gelesen sein.
Was den Idioten angeht, ich lese mir die wikipedia-Inhaltsangabe durch. So wie damals, in den Zeiten von BNW, Tortilla Curtain und Irrungen Wirrungen ... 
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Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge
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