Zur Halbzeit war die Welt in Ordnung. Mit 2:0 führte die
deutsche Nationalmannschaft nach starken 45 Minuten gegen Russland.
Mit geradlinigem Offensivspiel und schnellen Kombinationen machte
die DFB-Elf mit dem vermeintlich stärksten Gruppengegner kurzen
Prozess. Klose steckt für Podolski durch - 1:0. Maßflanke von
Schweinsteiger auf Ballack - 2:0. In der eigenen Hälfte kaufte man
Archavin und Progrebnyak den Schneid ab. Ein zweifellos
starker Auftritt.
Wie gesagt, bis zur Halbzeit. Was folgte, war kein
Einbruch, aber zumindest ein verlorener Faden. Nach dem 1:2 durch
Archavin drohte die Partie zu kippen. Dass am Ende noch alles gut
ging, ist einerseits der deutschen Offensivstärke,
andererseits dem Glück zu verdanken. Denn der
Pfostentreffer kurz vor dem Abpfiff hätte ohne weiteres auch eine
Punkteteilung bedeuten können. Lediglich einige Aktionen über die
agilen Podolski, Trochowski und Schweinsteiger sorgten für
Entlastung.
Keine Frage, die Abteilung Offensive sorgte für
Lichtblicke. Der oft umstrittene Piotr Trochowski sorgte
für Wirbel und war seinem ersten Tor nie näher, Schweinsteiger
stellte nicht nur bei der Vorlage zum 2:0 seine technischen
Fertigkeiten unter Beweis. Podolski und Klose taten viel für die
Mannschaft und auch Kapitän Michael Ballack traf bei seiner
Rückkehr wieder. Den ganz großen Auftritt legte Ballack zwar nicht
aufs Dortmunder Parkett, musste er aber auch nicht.
Eine unpopuläre Entscheidung fällte Jogi Löw, als er
Torsten Frings auf die Bank verbannte.
Ausgerechnet den Mann, der vor Tagen noch an die Leistung der
Möchtegern-Führungsspieler appelliert hatte. Eine Degradierung?
Zwecklos, hier Gespenster zu sehen, denn Hitzlsperger und Rolfes
haben definitiv weder die Klasse noch das Standing eines Torsten
Frings. Doch sieht Löw das genauso? Seine Aussagen, kein
Stammplatz sei mehr sicher, lassen zumindest daran
zweifeln.
Sorgen macht derweil die Abwehr. Schon in der
hochgelobten ersten Hälfte sah Mertesacker Archavin beim Flanken
nur zu, was danach fast zur liebgewonnenen Gewohnheit wurde. Auch
wenn diese Viererkette alles andere als eingespielt ist: Fehler wie
der Ballverlust von Lahm vorm 1:2 dürfen nicht passieren. Insgesamt
wirkte die gesamte Abwehrformation gegen die an diesem Tage nicht
einmal überragenden russischen Stürmer zu
passiv.
Daraus resultierte einige Arbeit für den einzigen Debütanten des
Abends: Torwart René Adler. Bei seinen beiden
besten Paraden gegen Progrebnyak stand der Russe vorher zwar im
Abseits, Adler zeigte aber unmissverständlich: mit ihm ist zu
rechnen. Spätestens seit heute Abend ist der
Konkurrenzkampf um den Platz im Tor eröffnet.
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Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge
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