Ulrich Wickert ist ein Symbol des deutschen
Qualitätsjournalismus. Als ARD-Korrespondent in den USA und in
Frankreich, dann als Moderator der Tagesthemen verfolgte er viele
große Figuren der Weltpolitik, berichtete von einschneidenden
Ereignissen und schrieb ein Stück Fernsehgeschichte. Mittlerweile
wünscht Wickert keine "geruhsame Nacht" mehr, sondern schreibt
Sachbücher, Romane und hat ein neues Internetnachrichtenportal
mitbegründet: zoomer.de.
Gerade weil Wickert einer der ganz Großen des deutschen Fernsehens
war/ist, zitterte die Branche vor zooomer, erhoffte sich die
Leserschaft neue Impulse. Jeder darf seine Meinung sagen, jeder
darf Nachrichten mitgestalten. Aber ganz ehrlich: genauso wirkt die
Seite. Wie ein von vielen Köchen verdorbener Brei.
Beim Klick auf die Startseite wird schnell klar: viel fürs Auge,
wenig fürs Gehirn. Bunt sieht sie aus, die zoomer-Seite, die
Schlagzeilen groß, aber schlecht. Zu Jörg Haiders Tod fällt den
zoomer-Redakteuren lediglich ein: "Fuhr er zu schnell?" Wo eine
"private story" lockt, werden politische Fragen schneller
bedeutungslos, als der Leser "Boulevard" sagen kann. Als
Meinungsmacher sieht sich zoomer, modern mit jugendlichem Style und
Videos an jeder Ecke. Doch die Qualität der Kommentare schwankt
beängstigend zwischen Polemik und Ignoranz.
Dass der Leser mitbestimmen darf, was wie weit oben in der
Prioritätenliste der Redaktion steht, tut der Seite alles andere
als gut. Der fehlende Geschmack der Leser färbt eindeutig ab. "Das
sind unsere unbeliebtesten Sportler" steht ganz weit oben in der
Hitliste - eine simple Bildergalerie mit Texten, die eher zu einer
TV-Programmzeitschrift als zu einem Nachrichtenportal passen. Immer
schön an der Oberfläche, lautet das Motto bei zoomer, Analysen
absolute Fehlanzeige. Ähnliches ist man beinahe ausschließlich von
der Bild-Zeitung gewohnt, zooomer schafft das fast Aussichtslose -
dieses Niveau zuweilen noch zu unterbieten.
Ist das Experiment des mitwirkenden Lesers damit gescheitert? Mit
Sicherheit nicht für alle Zeiten, doch das fatale Beispiel zoomer
zeigt: Journalismus braucht eine gewisse Qualität, zumindest
solange er diesen Anspruch hat. Immer schön an der Oberfläche,
lautet das Motto bei zoomer, Analysen absolute Fehlanzeige. Was
nicht heißt, dass Nachrichten im luftleeren Raum produziert werden.
Es heißt nur, dass Leser mit wirklichem Interesse ein Recht auf
kompetente Berichterstatter haben.
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Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge
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