Home Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge

Ein gescheitertes Experiment ...  (Fundstücke) Verfasst: Sonntag, den 12. Oktober 2008 15:21

Ulrich Wickert ist ein Symbol des deutschen Qualitätsjournalismus. Als ARD-Korrespondent in den USA und in Frankreich, dann als Moderator der Tagesthemen verfolgte er viele große Figuren der Weltpolitik, berichtete von einschneidenden Ereignissen und schrieb ein Stück Fernsehgeschichte. Mittlerweile wünscht Wickert keine "geruhsame Nacht" mehr, sondern schreibt Sachbücher, Romane und hat ein neues Internetnachrichtenportal mitbegründet: zoomer.de.

Gerade weil Wickert einer der ganz Großen des deutschen Fernsehens war/ist, zitterte die Branche vor zooomer, erhoffte sich die Leserschaft neue Impulse. Jeder darf seine Meinung sagen, jeder darf Nachrichten mitgestalten. Aber ganz ehrlich: genauso wirkt die Seite. Wie ein von vielen Köchen verdorbener Brei.

Beim Klick auf die Startseite wird schnell klar: viel fürs Auge, wenig fürs Gehirn. Bunt sieht sie aus, die zoomer-Seite, die Schlagzeilen groß, aber schlecht. Zu Jörg Haiders Tod fällt den zoomer-Redakteuren lediglich ein: "Fuhr er zu schnell?" Wo eine "private story" lockt, werden politische Fragen schneller bedeutungslos, als der Leser "Boulevard" sagen kann. Als Meinungsmacher sieht sich zoomer, modern mit jugendlichem Style und Videos an jeder Ecke. Doch die Qualität der Kommentare schwankt beängstigend zwischen Polemik und Ignoranz.

Dass der Leser mitbestimmen darf, was wie weit oben in der Prioritätenliste der Redaktion steht, tut der Seite alles andere als gut. Der fehlende Geschmack der Leser färbt eindeutig ab. "Das sind unsere unbeliebtesten Sportler" steht ganz weit oben in der Hitliste - eine simple Bildergalerie mit Texten, die eher zu einer TV-Programmzeitschrift als zu einem Nachrichtenportal passen. Immer schön an der Oberfläche, lautet das Motto bei zoomer, Analysen absolute Fehlanzeige. Ähnliches ist man beinahe ausschließlich von der Bild-Zeitung gewohnt, zooomer schafft das fast Aussichtslose - dieses Niveau zuweilen noch zu unterbieten.

Ist das Experiment des mitwirkenden Lesers damit gescheitert? Mit Sicherheit nicht für alle Zeiten, doch das fatale Beispiel zoomer zeigt: Journalismus braucht eine gewisse Qualität, zumindest solange er diesen Anspruch hat. Immer schön an der Oberfläche, lautet das Motto bei zoomer, Analysen absolute Fehlanzeige. Was nicht heißt, dass Nachrichten im luftleeren Raum produziert werden. Es heißt nur, dass Leser mit wirklichem Interesse ein Recht auf kompetente Berichterstatter haben.

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