Eine beeindruckende Präsentation von Murphy´s Gesetz ging heute auf meine Kosten. Mit einer Geschichte, die eigentlich unglaublich ist. Und das kam so:
In die Straßenbahn des Todes, die heulend sich zum Stadtrand quält, wollt´ ich mich klaustrophobisch zwängen, weil auch die kleine Geste zählt. Ich stieg also am Sportforum in die 15, um der Kälte zu entkommen. Der Weg bis zum Augustusplatz klappte reibunglos und in aller Wärme. Aber dann: ich wollte in die 8, die zu mir nach Hause fährt. Nach acht Minuten Wartezeit (Wochenende) war sie dann auch da. Aber wo fuhr sie hin? In völlig verkehrte Gefilde, so dass ich irritiert am Hauptbahnhof ausstieg.
Mit Freude sah ich auf der Anzeigetafel, dass die 3, welche ebenfalls zu mir nach Hause fährt, just erwartet wurde. Ich stieg also ein, erkannte aber schnell, dass auch hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Der herrlich sächselnde Fahrer erklärte, dass er aufgrund eines Unfalls auf der ursprünglichen Route eine Umleitung fahren werde. Das also das erste Problem, mit dem ich mich aber noch abfinden konnte.
Wir fuhren also die Umleitung, aber schon bei der zweiten Station kam der schöne Plan ins Stocken. Am Johannisplatz stand vor uns die 8 (ebendie, die ich eben verlassen hatte) auf den Gleisen. Noch kein Problem, doch auch nach zehn Minuten hatte sie siche keinen Zentimeter bewegt. Ein mehrköpfiges Komittee sammelte sich um den offensichtlich defekten Wagen und beratschlagte die weitere Vorfahrens-Weise, während wir Fahrgäste warteten. Und zwar lange warteten.
Wohl nie zuvor war ich so froh über die Erfindung des MP3-Players, der mich in dieser Zeit zerstreute (was auch der Grund war, warum ich deinen zweimaligen Anruf nicht hörte, Tommy). Die älteren Herrschaften nahmen es mit Humor (Geht die LVB auch an die Börse?), noch einmal der Fahrer: "Wönn dö Wogen för uns wech is, gedd edd woider". Es ging dann auch weiter, nach knapp 50 Minuten.
So führte mich die Straßenbahn durch völlig unbekannte Gegenden meiner neuen Heimatstadt und erst als längs der Straße die ersten verfallenen Häuser deutlich wurden, wusste ich, dass mein Zuhause nahe sei. Aber so nahe dann doch nicht. Die Bahn hielt nicht an meiner eigentlichen Haltestelle, sondern eine Haltestelle weiter. Ich durfte also im Scheeregen einen halben Kilometer nach Hause laufen.
Nur gut, dass ich heute nichts Spezielles vorhatte. So sind die 90 verlorenen Minuten wenigstens nicht ganz so schlimm.
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