Klarer hätte ein Fall von "David gegen Goliath" kaum sein können: Bayer Leverkusen reiste als Spitzenreiter auf die Alm, wo Arminia Bielefeld als Vorletzter wartete. Aber es kam alles ganz anders: die Arminia ging am Ende als 2:1-Sieger vom Platz - ein kleines Wunder. Hier ein paar Erklärungsansätze.
Es fällt zunächst auf, dass sich unsere Blauen gegen Spitzenteams deutlich leichter tun als gegen ihresgleichen. Schon in der vergangenen Saison mussten Größen wie Werder Bremen (im Mai), Bayer Leverkusen (im April), der damalige Meister VfB Stuttgart (im Dezember) dran glauben. Auch in diesem Jahr konnte beispielsweise Werder Bremen gleich am ersten Spieltag ein 2:2 abgetrotzt werden. Offensichtlich liegt es den Arminen mehr, dem Gegner das Spiel zu überlassen und selbst mit effektivem Konterspiel zu glänzen. Allerdings bringen diese Erfolge nur dann etwas, wenn auch die Sechs-Punkte-Spiele gegen direkte Konkurrenten gewonnen werden. Doch steht auf der anderen Seite des Spielfeldes ein ebenfalls eher spielschwaches Team, wird es schwer für die Arminia. Mit Grauen erinnert sich der Fan diesbezüglich an den absoluten Tiefpunkt der vergangenen Saison, das 0:2 gegen den MSV Duisburg im Februar 2008.
Zweiter Ansatz: das Wetter. Wenn es schneit und stöbert, dreht die Arminia auf. Was vor allem daran liegt, dass der Gegner - auch hier wieder vor allem spielstarke Mannschaften - zwar am Ball, nicht aber kämpferisch überlegen ist. Spieler wie Rübe Kauf hingegen werden bei diesen Wetterverhältnissen erst richtig warm. So konnte schon mancher überraschende Sieg im Bielefelder Schneegestöber eingefahren werden, z.B. das unvergessene 3:1 gegen Bayern München im Februar 2005 (ich war dabei!).
Dritter Ansatz: die Mannschaft. Gestern gelang es endlich, die Chancen sinnvoll zu nutzen, auch unter Mithilfe von René Adler. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, bewies vor einer Woche Chris Katongo: den haarsträubenden Abwurf von Jens Lehmann brachte er nicht im Tor unter. Apropos Katongo - seine Verpflichtung hat sich (noch) nicht rentiert. Umso häufiger trifft Artur Wichniarek, der nach seiner Vertragsverlängerung weiterhin topmotiviert ist. Vielleicht sollte sich Michael Frontzeck auch überlegen, des Öfteren Jonas Kamper von Beginn an zu bringen, der auf rechts ein echter Wirbelwind ist. Außerdem kehrt mit André Mijatovic der Abwehrstabilisator zurück.
Und dann war da noch - Dennis Eilhoff. Der Ersatzkeeper lief in den vergangenen Wochen zu Weltklasseform auf und rettete gestern ebenso wie gegen Schalke die Punkte. Das hätte von dem bodenständigen und unauffälligen Mann wohl auch niemand gedacht. Zu nennen wäre außerdem noch die Bielefelder Heimstärke: 8 der 12 Punkte wurden auf der Alm geholt.
Ein wichtiger Sieg am gestrigen Samstag also, der erste seit acht Spielen. Er katapultiert die Arminia immerhin auf Rang 14. In den Spielen bis zur Winterpause geht es zunächst nach Mannheim zur TSG 1899 Hoffenheim, dann gegen den BVB und Hannover 96.
So weit meine Einschätzungen. Die Gefährten, die das Privileg hatte, das Geschehen an Ort und Stelle zu verfolgen, werden dies untermauern bzw. erweitern können. Ich hoffe darauf.
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