Ich weiß nicht wirklich, wo ich diesen Eintrag anfangen soll. Ausgelöst wurde er durch ein Interview unserer 11Freunde mit Sebastian Deisler, das mich sehr bewegt hat. Zum ersten Mal nach seinem Karriereende erzählt der Basti, wie es damals (Verletzungen, Depressionen) wirklich war. Unter anderem diese Sätze:
Als ich noch bei Hertha war, saß ich im Mannschaftsbus und blickte aus dem Fenster. Ich sah drei junge Männer. Vielleicht 19, 20 Jahre alt, so wie ich damals, sie hatten Schultaschen über den Schultern, es waren Studenten. Was hätte ich damals dafür gegeben, mit ihnen zu tauschen.
Wissen Sie, in Berlin habe ich in meiner Wohnung gesessen, ich war bekannt in ganz Deutschland, ich war oben angekommen, und vor der Tür stand ein Mercedes. Aber das alles hat mich nicht glücklich gemacht. Ich habe mich gefragt, war’s das jetzt? Ich war todunglücklich.
So ist das. Viele von uns denken, dass Superstars mit Millionen auf dem Konto die glücklichsten Menschen der Welt sind. Sind sie anscheinend nicht. Deisler hat damals vom FC Bayern diese ominösen 20 Mio. DM bekommen, ohne einmal für Bayern gegen den Ball getreten zu haben. Geholfen hat es ihm nicht. Wer ist überhaupt glücklich? Kann man wirklich glücklich sein? Was ist eigentlich Glück? Ich weiß es nicht so richtig und glaube, dass jeder die Antwort für sich finden muss.
Ich will jetzt auch keine Zitate von Tucholsky anführen usw., aber ich muss sagen, dass mit der Zeit auch alles relativ wird. Man träumt davon, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, einen Status zu erlangen und glaubt, man werde genau dann glücklich sein. Wenn man es geschafft hat, will man entweder noch mehr oder es wird nach kurzer Zeit normal. So wird alles relativ, wovon wir träumen, es normalisiert sich mit der Zeit, es wird ein Teil von uns. Was bleibt, ist meistens die Enttäuschung. Schade.
Sebastian Deisler geht es offenbar einigermaßen gut, zumindest hört es sich in dem Interview so an und ich freue mich darüber. Schade um den großartigen Fußballer, aber manchmal gibt es eben noch ein bisschen mehr.
(Dieser Eintrag bedeutet nicht, dass es mir in irgendeiner Weise besonders schlecht ginge. Man wird sich ja wohl noch Gedanken über das Leben machen dürfen. Sollte man sogar.)
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