In Zeiten, da Täuschung und
Lüge allgegenwärtig sind, ist das Aussprechen der Wahrheit ein
revolutionärer Akt. (George Orwell, 1984)
Er hatte sich schon mehrere Male (in Zahlen: 4) operieren lassen müssen, einen komplizierten Schienbeinbruch durchgestanden, aber was ihm an diesem Tag widerfuhr, war die Inkarnation seiner Alpträume. Nach einem gnadenlosen Verhör im Ministerium für Liebe führten sie ihn, den Gedankenverbrecher, den Dissidenten, ins Zimmer 101. Was er dort erblickte, als sich seine Augen langsam an das grelle Licht der riesigen Lampe gewöhnten, versetzte ihn in Panik: ein Stuhl, diverse Apparaturen, der sterile Geruch, ein ZAHNARZT!
Jedem seine eigene Hölle. Gefesselt auf diesem Stuhl, nur ein Ausweg, die bedingungslose Kapitulation vor dem System: "Nicht ich, sie!" - "Wer?" - "Na, SIE!", aber das wird vom sirrenden Bohrer fast übertönt. Und da ist auch keine SIE, keine fassbare und die hat auch keine Krankenkassen-Karte dabei. Sie haben ihn da, wo sie ihn haben wollten. Am Ende, am Anfang.
Winston Huge saß in einem billigen Café, der Tag ging auf Mittag zu. Von allen Seiten das eine, bekannte Gesicht; die sonore Stimme aus den Monitoren. Er liebte den Großen Bruder.
Für das Verständnis dieses Eintrags ist die Rezeption von Goerge Orwells 1984 unerlässlich.





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