Home Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge

Heute sinkt für Sie: das Niveau ...  (Gesehen) Verfasst: Donnerstag, den 22. Januar 2009 12:41

Während ich dieses schreibe, sitzen Sascha und ich in Sack und Asche und gedenken unter Tränen des geistigen Elends in diesem Lande. Nein, es geht nicht um Christoph Daum und auch nicht um Boris Becker und nicht einmal um die Blöd-Zeitung. Es geht um die schwer in Worte zu fassende, abgrundtiefe Blödsinnigkeit deutschen Fernsehens.

Es ist noch nicht lange her, da lehnte einer der wenigen verbliebenen wirklichen Intelektuellen in diesem Land den Fernsehpreis unter vehementer Kritik am (Privat-)Fernsehen ab. Was die folgende, erbitterte Qualitätsdiskussion bewirkt hat, lässt sich dieser Tage bei RTL und ProSieben bestaunen: gar nichts. RTL schickt einen Haufen "Prominenter" in den Dschungel Australiens zum Survivaltrip. Wobei die Bedeutung des Ausdrucks "Prominenter" ("solche Personen, die oft in der Öffentlichkeit auftreten") völlig neu definiert wird: Sechs Kandidaten kannte ich überhaupt nicht, den Rest hätte ich ohne Foto/Name auch nicht erkannt.

Da hocken sie dann also am anderen Ende der Welt (oder doch nur in einem Kölner Studio?), essen Känguruhoden und machen Bekanntschaft mit allerlei Getier. An Zuschauern mangelt es nicht: 4,59 Millionen schalteten zum Start des RTL-Dschungelcamps ein. Mit größtem Interesse wird dieses Trivial-Spektakel allerorten verfolgt. Dass BILD Online einen eigenen Reporter entsendet, hat uns nicht gewundert. Mehr schon, dass die TV-Redaktion der WELT ebenfalls eine halbwegs fähige Redakteurin abstellt, um täglich minutiös über die Geschehnisse der aktuellen Folge zu berichten. Sogar Hellmut Karasek meinte seine Senfspur hinterlassen zu müssen - auch wenn es ein gnadenloser Verriss war.

Dass die Skala des Niveaus von Null bis Hundert nach unten offen ist, hat mich dann doch gewundert. Denn wer meinte, im Dschungel Australiens sei der Tiefpunkt der TV-Kultur erreicht, täuscht sich. Schlimmer geht immer, ist die Botschaft der ProSieben-Show "The Next Uri Geller". Es ist erstaunlich, dass trotz der völlig offensichtlichen Fakes und Fehler diese Sendung anscheinend immer noch eine Faszination ausübt. Wobei die Spielchen mit den Zauberkoffern beinahe tödlich, in jedem Fall aber peinlich enden. Gegen so etwas wirkt "Deutschland sucht den Superstar" wie Oberschichtenfernsehen und Dieter Bohlen wie ein Tagesschau-Sprecher.

Ein bisschen stolz bin ich schon darauf, nie eine Sekunde weder vom Dschungelcamp noch Uri Geller noch Deutschland sucht den Superstar gesehen zu haben. Vielleicht wirft man mir jetzt vor (wenn man das hier lesen würde), ich könnte es nicht beurteilen. Vielleicht. Egal. Es bleibt unverständlich, wie sich intelligente Menschen solches Trash-TV allen Ernstes ansehen können. Vielleicht hat es etwas mit "Third-Person-Effect" zu tun. Auf jeden Fall wird es noch viele abgelehnte Fernsehpreise brauchen. Ob´s hilft?

Ich möchte niemandem zu nahe treten, der sich oben genannte TV-Produktionen mit Freude und Anteilnahme anschaut. Aber ich hatte auch nie Angst vor einer klaren Meinung.

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3 Kommentar(e)

  • Tobias Krause mailto

    Do, den 04. Mär 2010 15:10

    Ich bin froh, das mir jemand aus der Seele spricht. Apell an die privaten Sender, wie soll das sonst enden?

  • Grace

    So, den 25. Jan 2009 18:06

    wie heute schon gesagt, du sprichst mir aus der Seele! Endlich mal jemand der sich auch gegen die Dummheit im deutschen Fernsehen stellt!
    Ich verstehe echt nicht wie Leute sich sowas tatsächlich angucken können...


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