Während ich dieses schreibe, sitzen
Sascha und ich in Sack und Asche und gedenken unter Tränen des
geistigen Elends in diesem Lande. Nein, es geht nicht um Christoph
Daum und auch nicht um Boris Becker und nicht einmal um die
Blöd-Zeitung. Es geht um die schwer in Worte zu fassende,
abgrundtiefe Blödsinnigkeit deutschen
Fernsehens.
Es ist noch nicht lange her, da lehnte einer der wenigen
verbliebenen wirklichen Intelektuellen in diesem Land den
Fernsehpreis unter vehementer Kritik am (Privat-)Fernsehen ab.
Was die folgende, erbitterte Qualitätsdiskussion bewirkt hat, lässt
sich dieser Tage bei RTL und ProSieben bestaunen:
gar nichts. RTL schickt einen Haufen "Prominenter" in den Dschungel
Australiens zum Survivaltrip. Wobei die Bedeutung des Ausdrucks
"Prominenter" ("solche Personen, die oft in der Öffentlichkeit
auftreten") völlig neu definiert wird: Sechs Kandidaten kannte
ich überhaupt nicht, den Rest hätte ich ohne Foto/Name auch nicht
erkannt.
Da hocken sie dann also am anderen Ende der Welt (oder doch nur in
einem Kölner Studio?), essen Känguruhoden und machen Bekanntschaft
mit allerlei Getier. An Zuschauern mangelt es nicht: 4,59 Millionen
schalteten zum Start des RTL-Dschungelcamps ein.
Mit größtem Interesse wird dieses Trivial-Spektakel allerorten
verfolgt. Dass BILD Online einen eigenen Reporter entsendet, hat
uns nicht gewundert. Mehr schon, dass die TV-Redaktion der WELT
ebenfalls eine halbwegs fähige Redakteurin abstellt, um täglich
minutiös über die Geschehnisse der aktuellen Folge zu
berichten. Sogar Hellmut Karasek meinte seine Senfspur
hinterlassen zu müssen - auch wenn es ein gnadenloser Verriss
war.
Dass die Skala des Niveaus von Null bis Hundert nach unten offen
ist, hat mich dann doch gewundert. Denn wer meinte, im Dschungel
Australiens sei der Tiefpunkt der TV-Kultur erreicht, täuscht sich.
Schlimmer geht immer, ist die Botschaft der
ProSieben-Show "The Next Uri Geller". Es ist
erstaunlich, dass trotz der völlig offensichtlichen Fakes und
Fehler diese Sendung anscheinend immer noch eine Faszination
ausübt. Wobei die Spielchen mit den Zauberkoffern beinahe
tödlich, in jedem Fall aber peinlich enden. Gegen so etwas
wirkt "Deutschland sucht den Superstar" wie Oberschichtenfernsehen
und Dieter Bohlen wie ein Tagesschau-Sprecher.
Ein bisschen stolz bin ich schon darauf, nie eine Sekunde weder vom
Dschungelcamp noch Uri Geller noch Deutschland sucht den Superstar
gesehen zu haben. Vielleicht wirft man mir jetzt vor (wenn man das
hier lesen würde), ich könnte es nicht beurteilen. Vielleicht.
Egal. Es bleibt unverständlich, wie sich intelligente Menschen
solches Trash-TV allen Ernstes ansehen können. Vielleicht hat es
etwas mit "Third-Person-Effect" zu tun. Auf jeden Fall wird es noch
viele abgelehnte Fernsehpreise brauchen. Ob´s hilft?
Ich möchte niemandem zu nahe treten, der sich oben
genannte TV-Produktionen mit Freude und Anteilnahme anschaut. Aber
ich hatte auch nie Angst vor einer klaren Meinung.
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Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge
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3 Kommentar(e)
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Ich bin froh, das mir jemand aus der Seele spricht. Apell an die privaten Sender, wie soll das sonst enden?
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wie heute schon gesagt, du sprichst mir aus der Seele! Endlich mal jemand der sich auch gegen die Dummheit im deutschen Fernsehen stellt!
Ich verstehe echt nicht wie Leute sich sowas tatsächlich angucken können...

Kommentare