0:1 gegen Norwegen -
der Start ins Länderspieljahr 2009 ist missglückt. Der Versuch
einer Analyse.
In Norwegen darf gefeiert werden. Nach mehr als einem Jahr hat die
Fußballauswahl wieder einen Sieg eingefahren. Die lange
Durststrecke macht die Niederlage für den Gegner, immerhin
Vize-Europameister Deutschland, doppelt schmerzhaft. Nach dem
Lecken der Wunden wird es Zeit für eine Analyse.
Die zeigt, dass das deutsche Spiel an fast allen Ecken und Enden
krankte. Nicht zuletzt auch dort, wo der Ursprung allen
menschlichen Tuns liegt: im Kopf. Norwegen, ohnehin kein großes
Licht am Fußballäther, reiste ohne die Stars Carew und Riise an,
das Spiel war in den deutschen Köpfen schon vor dem Abpfiff quasi
gewonnen. Einen Gegner von Beginn an so zu unterschätzen lässt
jeden unwillkürlich den entscheidenden Schritt zu spät kommen. Als
sich dann deutlich zeigte, dass die Elf von Egil Olsen nicht nur
als Sparringspartner angetreten war, ließ sich der Hebel nicht mehr
umlegen.
Defensiv traten die Norweger auf, aber keinesfalls ohne
Offensivdrang. Das blitzschnelle Umschalten und Kontern hatte auch
bei zehn Mann in der eigenen Hälfte Methode. Trotz
Überzahlsituationen am eigenen Strafraum ließ es die deutsche
Abwehr immer wieder brenzlig werden. Schon in der ersten Halbzeit
hätte Schiedsrichter Messner bei einem Foul von Westermann
mindestens Freistoß an der Strafraumlinie geben müssen. René Adler
im Tor leistete sich zwar keine großen Schwächen, zeigte aber, dass
ihm in solchen Spielen noch das Organisationstalent fehlt.
Beim 1:0 durch Grindheim ließ sich die deutsche Mannschaft komplett
überrumpeln. Die Fehlerkette war lang: Trochowski verhindert die
Flanke nicht, vier Abwehrspieler lassen den Ball durchgehen,
Schweinsteiger schließlich schaut nur zu, wie Grindheim einschießt.
Eine Szene, symptomatisch für das Auftreten am gestrigen Abend:
Norwegen zeigte sich durchgehend wacher, schneller und
konsequenter.
Das Spiel nach vorne gestaltete sich bei der norwegischen
Igeltaktik in der eigenen Hälfte von Natur aus schwierig. Auffällig
aber die Ideenlosigkeit, mit der sich Ballack und Co. Ball und
Verantwortung zuschoben. Höchstens über Einzelaktionen konnte
Gefahr heraufbeschworen werden, die offensichtlichen Schwächen des
norwegischen Keepers wurden nicht konsequent ausgenutzt. Wenn
Philip Lahm und Mesut Özil nach dem Spiel von einem deutlichen
deutschen Chancenplus redeten, so ist das nur die halbe Wahrheit.
Die deutschen Chancen resultierten meist nur aus Fernschüssen oder
anderen individuellen Einfällen. Hundertprozentige Möglichkeiten
ergaben sich trotz deutlicher Überlegenheit kaum, wohingegen
Norwegen stets kontergefährlich blieb.
Die Neulinge Mesut Özil und Andreas Beck setzten keine Akzente, was
aber im ersten Länderspiel auch nicht erwartet wird. Marko Marin
konnte seine technischen Fähigkeiten andeuten. Michael Ballack war
kaum zu sehen. Aber glücklicherweise ging es an diesem Abend um
nichts außer Spielpraxis und Erkenntnisse für die folgenden
Quali-Spiele. Dann wird hoffentlich wieder ansehnlicher oder
zumindest erfolgreicher Fußball zu sehen sein.
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Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge
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2 Kommentar(e)
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Der Frings ... der war so schlecht, dass er wohl entgangen ist. Ich halte aber generell viel von ihm. Danke für den Kommentar und genieße die Ferien.
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sehr adäquat zusammengefasst!
nur.. was sagst du zum frings? der hat mich eigentlich von allen fast am meisten enttäuscht. nach hinten fehlerbehaftet und mehrmals gelbgefährdet und nach vorne gar nichts...
Kommentare