Theater spielen sie auf
Schalke schon seit Monaten, Jahren. Vorläufiger Höhepunkt: die
Entlassung von Manager Müller. Der ruhebringende Vorhang fällt
deshalb aber noch lange nicht.
Es mutet an wie ein absurdes Stück, das da rund um die
Veltins-Arena aufgeführt wird. Wie sonst sollte man es bezeichnen,
wenn die Fans nach einem Sieg ihre Mannschaft gnadenlos auspfeifen?
So geschehen auf Schalke nach dem 1:0 gegen den 1.FC Köln.
Erlösungscharakter hatte dieser Dreier nicht, für Manager Andreas
Müller schon gar nicht. Das Schalker Urgestein wurde gestern
entlassen.
Eine Maßnahme, die längst überfälig. Nicht nur, weil die Fans ein
Brandopfer forderten, sondern auch, weil Müller seit einiger Zeit
schlichtweg mangelhafte Arbeit leistete. Die Schalker
Transferpolitik ist nicht erst seit dieser Saison ein Friedhof für
Millionen von Euronen und große Hoffnungen. Streit, Großmüller, Zé
Roberto, Farfan, Engelaar - die Liste der teuren Fehleinkäufe ist
lang. Zu verantworten hat das in erster Linie Müller, der seit 2005
in der Geschäftsstelle Regie führt, aber auch schon vorher als
Assistent von Rudi Assauer arbeitete.
Musterbeispiel für einen verfehlten Schalke-Transfer ist Orlando
Engelaar. Für sechs Millionen kam der Niederländer Anfang der
Saison von Twente Enschede, Vorschusslorbeeren inklusive. Da hatte
anscheinend noch niemand gemerkt, dass Engelaar seinen linken Fuß
nur zum Stehen benutzt und weitere eklatante technische Defizite
besitzt. Umso erstaunlicher ist das, weil Trainer Fred Rutten
Engelaar jahrelang selbst trainierte.
Sportlich scheint Rutten die Kurve in den vergangenen Wochen
einigermaßen gekriegt zu haben. Weil Schalke wieder an den
internationalen Plätzen schnuppert, darf der Niederländer vorerst
bleiben. Im Gegensatz zu Müller, der sich zu allem Überfluss auch
noch in TV-Interviews um Kopf und Kragen geredet hatte. Das
Schicksal der beiden ist also keineswegs untrennbar verknüpft. Im
Umfeld aber brodelt es weiterhin.
Die wenigen Spieler, die sportlich öfters zu überzeugen wissen,
machen diesen Wert durch Eskapaden gleich wieder zunichte. Kevin
Kuranyi trifft zwar ab und zu das Tor, ist bei den Fans aber ein
rotes Tuch. Rafinha gilt einigen als einer der besten
Rechtsverteidiger der Welt, bleibt aber mehr als Olympia-Ausreißer,
Meckerer und Partygänger in Erinnerung. Manuel Neuer ist weit von
der Form entfernt, die ihm den Ruf als großes Torwarttalent
brachte. Überhaupt fehlt Schalke seit einigen Jahren die personelle
Qualität für ganz oben. Vor allem im offensiven Kreativbereich, wo
nach Lincolns Abgang ein Loch entstand, das nie gestopft werden
konnte.
Wie geht es weiter auf Schalke? Gute Frage, nächste Frage. Denn die
Querelen sind kein Gebot der Stunde, sondern schon seit Jahren an
der Tagesordnung, spätestens seit dem Ende der Stevens-Ära. Nach
der Müller-Demission muss nun zunächst ein Nachfolger her. Als
Kandidaten kursieren die Namen Rudi Assauer und Olaf Thon, wobei
letzterem von Seiten mehrerer Medien kaum Chancen eingeräumt
werden. Ohnehin scheint fraglich, ob ein Mann, der in einem Netz
von Abhängigkeiten und Beeinflussungen von Vorstand und
Aufsichtsrat steckt, der richtige in dieser Situation ist. Assauer
wäre es schon aus Gründen der Selbstweihräucherung zuzutrauen, dass
er den Job noch einmal macht.
Die beste Lösung wäre wahrscheinlich ein konsequenter Neuanfang.
Ohne die Herren Schnusenberg und Tönnies aus dem Aufsichtsrat, die
vielleicht Ahnung von Zahlen, aber definitiv nicht von Fußball
haben. Ohne Spieler wie Kuranyi und - bei aller sportlicher
Qualität - auch Rafinha. Vielleicht auch ohne Fred Rutten, dafür
mit einem kompetenten Manager, der nicht aus dem aktuellen
blau-weißen Dunstkreis stammt. Zudem muss das Verhältnis zu den
Fans endlich bereinigt werden. Oder sollte sich der Verein - frei
nach Brecht - neue Fans wählen? Um integere Spieler wie Jones und
Neuer ließe sich ein neues Team aufbauen. Schalke würde vielleicht
ein paar Jahre im Mittelfeld rangieren, doch einfach war ein
Neuanfang noch nie.
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Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge
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1 Kommentar(e)
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am Besten man Streicht Herne-Ost ganz aus der BL
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