Wer sich nicht mehr am
eigenen Schopf aus der Wirtschaftskrise ziehen kann, der greift
neuerdings nach der öffentlichen Hand. Der Staat landet dadurch in
einem erstklassigen Dilemma.
Als Angela Merkel vor kurzem sagte, es werde keine Scheinhilfen für
Opel wie damals 2002 bei Schröder für Holtzmann geben, da war das
eine gute und schlechte Nachricht zugleich. Gut, weil der Kampf um
den Fortbestand der Automarke nicht nur populistische
Wahlkampfanstrengung ist. Schlecht, weil der Staat (und damit auch
der Steuerzahler) richtig tief in die Tasche greifen muss.
Ich stehe der Sache eher kritisch gegenüber. Möglicherweise habe
ich keine Ahnung (von Wirtschaft sowieso nicht), aber woher die
ganzen Hilfs- und Konjunkturpaket-Gelder kommen sollen, ist mir
noch nicht klar. Schnell bekommt man bei den hilferufenden
Unternehmen den Eindruck, dass der Staat die eigenen Fehler
ausbügeln soll. Die unternehmerischen Krisenkonzepte wirken da
höchstens halbherzig.
Aus der Nummer kommt die Große Koalition allerdings nicht so
einfach raus. Nachdem Steinmeier bereits die Demo der Opelaner
besuchte, gibt es für die SPD kaum noch ein Zurück. Und natürlich
kommt gerade den Sozialdemokraten, bei denen Wähler und
Erfolgsmeldungen rar geworden sind, diese Möglichkeit gerade recht,
als alte Arbeiterpartei Eindruck zu schinden.
Die CDU dagegen schwankt noch zwischen Marktfreiheit und
Staatshilfe, fährt aber meiner Meinung nach einen vertretbaren
Kurs. Hilfen gibt es nur mit einem akzeptablen Konzept von Seiten
Opels, denn zu verschenken haben Steinbrück und Guttenberg wirklich
nichts. Probleme gibt´s nun innerhalb der Partei: der konservative
Flügel fordert eine Rückbesinnung auf ein klares Profil, Angela
Merkel geriet schärfer in die Kritik.
Das Dilemma der Regierung: ein Millionenpaket für Opel käme einem
Dammbruch gleich. Denn wer Opel rettet, sollte der nicht auch
diversen anderen Unternehmen unter die Arme greifen? Die Reihe der
Bittsteller wäre wohl lang. Zumindest eines sollte die
Bundesregierung sich im Fall einer Opel-Rettung aber nicht nehmen
lassen: ein deutliches Mitspracherecht. Denn sobald Opel und Co.
wieder florieren, werden Vater Staats Wohltaten nur noch eine
unwillkommene Erinnerung sein.
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Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge
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