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Hoeneß und der Kaiserschmarrn ...  (In den Nachrichten) Verfasst: Mittwoch, den 18. März 2009 11:57

Für Fußballfans klingt die GEZ-Offensive von Uli Hoeneß verlockend. Für den Rest ist sie eine unverschämte Bevormundung.

Normalerweise lässt beim FC Bayern Franz Beckenbauer gern mal seine Worte die Gedankengänge überholen. Zum Beispiel, als er androhte, die Bayern würden nach Italien umziehen, sollten die Anfeindungen in der Bundesliga nicht aufhören. Der Kaiser tritt mittlerweile kürzer, sein Nachfolger steht aber bereits in den Startlöchern. Noch-Manager Uli Hoeneß verzapft mittlerweile den Unsinn (auf bayerisch: Schmarrn), der bislang Beckenbauer vorbehalten blieb.

Zwei Euro solle jeder Deutsche mehr an monatlichen GEZ-Gebühren zahlen, so Hoeneß´ neuester Gedankenblitz, "zwei Euro für den Fußball". Dieser kleine Bonus würde die Bundesliga finanziell in die Milliardensphären der Premier League und Primera Division hieven. Davon erhofft sich der Bayern-Manager nicht nur mehr Erfolg und mehr Superstars, sondern auch mehr Service für die Fans: alle Partien live bei ARD und ZDF sollen das Lockmittel sein.

Für den fußballverrückten Studenten, der nachts von Premiere träumt, klingt das alles sehr verlockend. Es wäre quasi das Fußball-Paradies in Deutschland: C.Ronaldo, Gerrard, Robben in der Bundesliga, ein deutscher Klub gewinnt mal wieder die Champions League, und jeder Samstag wird noch ein bisschen mehr zum Feiertag - wahrlich, da hätte der Fußballgott Deutschland geküsst. Doch versucht der intelligente Mensch die Triebe des Fußballfans beseite zu lassen, so werfen sich bald Schatten auf das leuchtende Ideal.

Zwei Drittel der 37 Millionen Fernsehhaushalte seien fußballinteressiert, rechnete Hoeneß der Wirtschaftswoche vor. Das andere Drittel wird überstimmt und darf stumpf und stumm zahlen. Quoten wie die Bundesliga garantiere nur Wetten, dass ...; und schließlich wolle auch nicht jeder Volksmusik sehen. Doch wäre sicher nicht jeder dieser "fußballinteressierten Haushalte" bereit, für Livefußball monatlich zwei Euro mehr zu berappen. Den meisten reichen Sportschau und gelegentliche Länderspiel- und Europapokalübertragungen. Diejenigen, die jedes Spiel sehen wollen, jedes Tor, sind klar in der Minderheit - Freaks eben.

So ist diese Finanzierungsidee mit dem ohnehin nicht mehr zeitgemäßen GEZ-Zwangssystem keine ernsthafte Diskussion wert. Mit solchen Theorien manövriert sich Hoeneß ins Abseits und den Fußball in ein zweifelhaftes Licht. Es erinnert ein wenig an die unverschämten Methoden der Managergilde um Klaus Zumwinkel und diesen HRE-Typen: egoistische Bereicherung (in diesem Fall immerhin nicht seiner selbst, sondern seiner Branche) auf Kosten der Gesellschaft. Als Teil dieser wollen wir fair Fußball sehen, auch wenn es so schön sein könnte ...

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