Für Fußballfans klingt
die GEZ-Offensive von Uli Hoeneß verlockend. Für den Rest ist sie
eine unverschämte Bevormundung.
Normalerweise lässt beim FC Bayern Franz Beckenbauer gern mal seine
Worte die Gedankengänge überholen. Zum Beispiel, als er androhte,
die Bayern würden nach Italien umziehen, sollten die Anfeindungen
in der Bundesliga nicht aufhören. Der Kaiser tritt mittlerweile
kürzer, sein Nachfolger steht aber bereits in den Startlöchern.
Noch-Manager Uli Hoeneß verzapft mittlerweile den Unsinn (auf
bayerisch: Schmarrn), der bislang Beckenbauer vorbehalten
blieb.
Zwei Euro solle jeder Deutsche mehr an monatlichen GEZ-Gebühren
zahlen, so Hoeneß´ neuester Gedankenblitz, "zwei Euro für den
Fußball". Dieser kleine Bonus würde die Bundesliga finanziell in
die Milliardensphären der Premier League und Primera Division
hieven. Davon erhofft sich der Bayern-Manager nicht nur mehr Erfolg
und mehr Superstars, sondern auch mehr Service für die Fans: alle
Partien live bei ARD und ZDF sollen das Lockmittel sein.
Für den fußballverrückten Studenten, der nachts von Premiere
träumt, klingt das alles sehr verlockend. Es wäre quasi das
Fußball-Paradies in Deutschland: C.Ronaldo, Gerrard, Robben in der
Bundesliga, ein deutscher Klub gewinnt mal wieder die Champions
League, und jeder Samstag wird noch ein bisschen mehr zum Feiertag
- wahrlich, da hätte der Fußballgott Deutschland geküsst. Doch
versucht der intelligente Mensch die Triebe des Fußballfans beseite
zu lassen, so werfen sich bald Schatten auf das leuchtende
Ideal.
Zwei Drittel der 37 Millionen Fernsehhaushalte seien
fußballinteressiert, rechnete Hoeneß der Wirtschaftswoche vor. Das
andere Drittel wird überstimmt und darf stumpf und stumm zahlen.
Quoten wie die Bundesliga garantiere nur Wetten, dass ...; und
schließlich wolle auch nicht jeder Volksmusik sehen. Doch wäre
sicher nicht jeder dieser "fußballinteressierten Haushalte" bereit,
für Livefußball monatlich zwei Euro mehr zu berappen. Den meisten
reichen Sportschau und gelegentliche Länderspiel- und
Europapokalübertragungen. Diejenigen, die jedes Spiel sehen wollen,
jedes Tor, sind klar in der Minderheit - Freaks eben.
So ist diese Finanzierungsidee mit dem ohnehin nicht mehr
zeitgemäßen GEZ-Zwangssystem keine ernsthafte Diskussion wert. Mit
solchen Theorien manövriert sich Hoeneß ins Abseits und den Fußball
in ein zweifelhaftes Licht. Es erinnert ein wenig an die
unverschämten Methoden der Managergilde um Klaus Zumwinkel und
diesen HRE-Typen: egoistische Bereicherung (in diesem Fall immerhin
nicht seiner selbst, sondern seiner Branche) auf Kosten der
Gesellschaft. Als Teil dieser wollen wir fair Fußball sehen, auch
wenn es so schön sein könnte ...
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Blog erstellt am: : 09/06/07 Zuletzt aktualisiert : 17/10/11 15:15 / 1161 veröffentlichte Einträge
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