Vor dem Start zum Großen Preis von Kanada
in Montreal konnte Robert Kubica noch lachen. Nach dem Ende des
Formel-1-Rennens verging allen Beteiligten die Laune - auch wenn
der sypathische Lewis Hamilton seinen ersten Sieg holte, auch wenn
Nick Heidfeld aufs Podest fuhr. In Gedanken waren alle nur bei
einem Mann: Robrt Kubica und der Frage: Wie sicher ist die Formel
1?
Ja, man konnte schon Schüttelfrost bekommen,
wenn man den Tschechen mit 280 km/h ungebremst in die Mauer
am Streckenrand rasen sah. Und man musste das Schlimmste
befürchten. Dass Kubica glimpflich davonkam,
nicht einmal Knochenbrüche erlitt, grenzt an ein Wunder. Ein
echter Schock, dieser Unfall. Und folgendes Interview mit
F-1-Ingenieur James Penrose trägt nicht gerade zur Beruhigung
bei.
"Der Tod wird in die Formel
1 zurückkehren"
WELT
ONLINE: Sind die Formel-1-Autos die sichersten
Gefährte der Welt?
James
Penrose: Es hat den Anschein. Die Rennfahrer sind
jedenfalls davon überzeugt, wenn man manchmal ihre waghalsigen
Manöver sieht.
WELT
ONLINE: War Kubicas Manöver gegen Jarno Trulli, das
zum Unfall führte, leichtsinnig?
Penrose: Das will und kann ich nicht
beurteilen.
WELT
ONLINE: Wie hat er einen Frontalzusammenstoß mit
einer Betonmauer bei Tempo 280 und zwei Überschläge fast
unverletzt überstehen können?
Penrose: Überschläge sehen
spektakulär aus, kritischer ist meist der Aufprall in einem
stumpfen Winkel. Da wirken die größten Kräfte. Hans
sorgt für eine kontrollierte Verzögerung des Kopfes und
schützt den Nacken vor Überdehnung. Das Monocoque
bewahrte Kubica vor Beinbrüchen. Beim zweiten Aufprall in die
Leitplanke waren die Füße des Piloten bereits im Freien,
weil es den vorderen Teil des Monocoques eingedrückt hatte.
Der Stoß schob die Füße nach hinten. Das war sein
Glück.
WELT
ONLINE: Auch Sie als Sicherheitsexperte sprechen von
Glück?
Penrose: Wir dürfen uns keinen Illusionen
hingeben. Irgendwann wird der Tod in die Formel 1
zurückkehren. Die Überlebenschancen für einen
Piloten sind wesentlich schlechter, wenn ein Rennwagen über
einen anderen rollt, wie beim Saisonauftakt in Melbourne, als David
Coulthard dicht am Kopf von Alexander Wurz
vorbeischoss.
WELT
ONLINE: Kaum zu glauben, dass Rubens Barrichello bei der
Einführung von Hans zeterte: „Das Ding tut so
weh.“
Penrose: Es ist so wie früher bei der
Tour de France. Die Radfahrer haben auch nie einen Sturzhelm
getragen, weil er angeblich unangenehm auf dem Kopf saß.
Bevor Hans 2003 in der Formel 1 Pflicht wurde, hatten ein Jahr
zuvor alle Piloten gegen die Einführung von Hans
gestimmt.
WELT
ONLINE: Wurden Ihnen Ihre Entwicklungsarbeit
gedankt?
Penrose: Fernando Alonso ist mal zu
mir gekommen und hat gesagt, dass er ohne Hans wohl nicht so
glimpflich davon gekommen wäre bei seinem Unfall 2003 in
Brasilien, als er in eine Mauer krachte. Auch Ralf Schumacher hat
sich nach seinem letzten Unfall in Indianapolis bei mir gemeldet.
Aber im Lager der Fahrer werde ich sonst eher gemieden. Die Fahrer
fürchten wohl, dass ich sie an ihre Verwundbarkeit erinnern
könnte.
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