Noch steht Arminia
Bielefeld auf Platz 15 der Bundesliga-Tabelle. Angesichts der
aktuellen Leistungen muss man sich fragen, wie lange noch. Die
Anzahl der Gründe dafür ist Legion. Überlegungen eines involvierten
Dilettanten nach dem 0:0 gegen Frankfurt.
Manchmal spricht das Schicksal fließend ironisch, und wenn es nur
Details sind. "Es könnt alles so einfach sein, ist es aber nicht",
sangen Fanta Vier am Samstag direkt nach dem 0:0 gegen Eintracht
Frankfurt über die Lautsprecher auf der Alm. Den etwas enttäuscht
abwandernden Arminia-Fans dürfte das in dem Moment bekannt
vorgekommen sein. Denn keine Spiele gewinnt der DSC im Moment so
schwer wie die vermeintlich einfachen.
Dabei wäre mit einem Sieg über die Eintracht ein Riesenschritt in
Richtung Klassenerhalt gemacht worden. 23 Punkte hätten das
schwarz-weiß-blaue Konto geziert, gleichauf mit dem Gegner. Aber
wie sagte schon Hermann Gerland, als er noch bei der Arminia sein
hartes Regiment führte: "Hätte, wenn und aber - alles nur Gelaber."
So sind es lediglich 21, der Vorsprung auf die Abstiegsplätze ist
hauchdünn. Die Gründe für die brenzlige Situation sind
mannigfaltig.
Von den vergangenen sieben Spielen hat Arminia Bielefeld nur eines
verloren. Was einem Klub dieser Größenordnung schnell zur Ehre
gereichen könnte, relativiert sich schnell beim näheren Hinsehen.
In der gesamten Saison kommt Bielefeld auf kümmerliche drei Siege -
die wenigsten der Bundesliga. Daneben stehen 12 Unentschieden zu
Buche. Das altbekannte Problem: gegen Teams wie Werder Bremen, die
schnell und kultiviert nach vorne spielen, wird gerne mal ein Sieg
eingefahren. Komplizierter wird es bei Duellen mit direkten
Konkurrenten.
Exemlarisch lässt sich das am Fallbeispiel der Frankfurt-Partie
zeigen. Sobald ein Team ähnlich dicht gestaffelt steht wie
Bielefeld selbst und die Räume eng macht, kommt das Spiel zum
Erliegen. Es entstehen Begegnungen auf Einschlafniveau wie am
Sonntag, in denen sich beide Mannschaften neutralisieren und der
Ball den Strafraum nur vom Aufwärmtraining kennt. Furchtbar, wenn
ein herausgeholter Einwurf als Erfolgserlebnis gelten muss. Selbst
die Initiative zu ergreifen und das Spiel zu gestalten, das liegt
der Arminia nun wirklich nicht. Vielleicht auch, weil sie niemanden
hat, der es könnte. Viel lieber steht Bielefeld tief in der eigenen
Hälfte, um bei gegnerischen Fehlern schnell zuzuschlafen. Diese
Kontertaktik geht von Zeit zu Zeit bei offensiven Teams auf, nützt
aber wie gesagt bei den meisten Gegnern, die selbst eher defensiv
eingestellt sind, wenig.
Wenn es in dieser Saison einen Unterschied zu Gunsten der Blauen
gab, so machte diesen meist Artur Wichniarek. Der polnische
Torjäger spielt eine vorzügliche Saison. Wenn er traf, hat
Bielefeld in dieser Spielzeit noch nicht verloren. Doch fehlt
"König Artur", heißt es bald Bonjour Tristesse, zu bestaunen
ebenfalls am Sonntag gegen Frankfurt. Interessante und talentierte
Spielertypen gibt es in der Bielefelder Elf zwar durchaus, doch
niemand hat das Zeug, ein Spiel zu entscheiden. Katongo mag einigen
Wirbel machen, ist aber etwa so torgefährlich wie Markus Schuler.
Das Fehlen von Mijatovic und Kamper konnte ebenfalls nicht
kompensiert werden. Arminia Bielefeld kann keine Bank haben wie
Bayern München, ein paar mehr Alternativen dürften es aber schon
sein.
Wer die ganze spielerische Armut der zweiten Bielefelder Garde
sehen möchte, der fasse Mut und sehe sich Berat Sadik an. Am
Sonntag kam der Finne nach 27 Minuten aus der Not (sprich Kampers
Verletzung), versuchte sich als Sturmspitze, scheiterte jedoch
kläglich. Er war sicherlich nicht der einzige, dem nichts einfiel,
doch wenn Sadik an den Ball kam, sprang dieser entweder ins Aus
oder zum Gegner. Seine Motive waren natürlich edel und rein,
allein: er konnte nicht. Gerade im Sturm, wo die Abhängigkeit von
einem Spieler so offenkundig ist, wäre es angebracht, einen zweiten
Spieler zu holen, der regelmäßig trifft.
Bis dato steht der DSC noch über dem verhängnisvollen Strich. Doch
wer am Samstag das 4:1 der Gladbacher mit einem überragenden Marko
Marin gegen den HSV gesehen hat und sich am Tage danach die
Bielefelder Magerkost zu Gemüte führte, der weiß, wie hart die
letzten Monate der Saison werden können. Siege müssen her,
Unentschieden reichen nicht mehr, die klassischen
Sechs-Punkte-Spiele müssen gewonnen werden. Die Chancen, ein
ruhiges Jahr im Mittelfeld zu verbringen, waren dabei so groß wie
lange nicht mehr, denn noch nie punkteten die Kellerkinder so
spärlich wie in dieser Saison. Leider schloss sich unsere Arminia
nahtlos an.
Doch bei allem, was momentan nicht rund läuft, dürfen Fans und
Vorstand eines nicht aus dem Blick verlieren. Arminia Bielefeld
kann nicht in der oberen Tabellenhälfte mitspielen. Vorerst bleibt
das Herzinfarkt-Risiko bei jedem Saisonfinale konstant, d.h.
Abstiegskampf bis zur letzten Sekunde. Bisher lief am Ende immer
alles glatt, aus dem einstigen Fahrstuhlklub ist still und leise
ein etabliertes Stück Bundesliga geworden. Auch deshalb ist eine
Trainerdiskussion (die es nicht gibt) absolut fehl am Platz. Bei
den Spielern muss man zwar die eine oder andere Personalie
überdenken und nachbessern, doch die Mannschaft scheint nach wie
vor intakt und kampfbereit.
In den vergangenen Jahren lief es doch so: kaum spielte einer im
Bielefelder Trikot zehn Monate überdurchschnittlich gut, wechselte
er im Sommer nach Dortmund, Wolfsburg oder gar Köln. Wegen
angeblich besserer Perspektiven. Mittlerweile scheint sich dieser
Trend grundlegend gewandelt zu haben. Artur Wichniarek, nach seinem
Hertha-Intermezzo ohnehin gebranntes Kind, verlängerte anstandslos
seinen Vertrag trotz Angeboten. Und auch Shootingstar und
Publikumsliebling Dennis Eilhoff bleibt der Alm erhalten - und die
Alm ihm, was im Fall Eilhoff wohl auch eine wichtige Rolle gespielt
hat.
Zweifellos liegen schwere Monate vor Michael Frontzeck und seinen
Schützlingen. Doch die Vergangenheit hat gezeigt: Arminia Bielefeld
ist erstligatauglich. Und wer sich noch an das furchtbare 0:2 gegen
Duisburg an dem Tag, als ich Luft wurde, erinnert, der weiß, dass
Wunder nach einem solchen Tiefpunkt umso wunderbarer sind. Also,
we have to fight weiter!
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