"Die Leiden
des jungen Werther", J.W. Goethe (1774)
Erster Satz: Wie froh bin ich, dass ich weg
bin.
Letzter Satz: Kein Geistlicher begleitete
ihn.
Seiten: 129
Kennt ihr das, wenn man bei einer Romanfigur plötzlich das
Gefühl hat, diese Person zu kennen? Mich überkam dieses
Gefühl beim dritten Lesen des "Werther" (bisher höchstens
bei Holden Caulfield und Simon Peters). Werther ist einer der
grandiosesten Charaktere der Literatur, die ich kenne, auch wenn
man nicht immer so gehandelt hätte wie er. Dieses Buch ist
einfach jedes Mal neu ein Genuss. Und lernen kann man auch etwas,
über Raum, Zeit und das eine Wort.
Aber warum schießt sich Werther in den Kopf ("über
dem rechten Auge") und stirbt erst 12 Stunden später? Was
hatten die denn damals für Pistolen??
"Entfernung
von der Truppe", Heinrich Böll (1964)
Erster Satz: Bevor ich zum eigentlichen
Thema dieses Erzählwerks (Werk hier im Sinne von Uhrwerk zu
verstehen) komme, zur Familie Bechtold, in die ich am 22. September
1938, nachmittags gegen fünf Uhr im Alter von 21 Jahren
eintrat, möchte ich zu meiner Person einige Erklärungen
abgeben, von ich hoffe, dass sie missverstanden werden und
Misstrauen wecken.
Letzter Satz: Der Erzähler verbirgt
etwas. Was?
Seiten: 141
Ein überaus seltsames kleines Büchlein. Es gibt kaum
Handlung, nichts passiert, und alles, was die Hauptperson erlebt,
geschieht hinter einem dicken Schleier und ist derart undeutlich,
dass es kaum auffällt. Sehr viel interessanter schon die Form.
Der Erzähler bricht immer wieder mit seiner
"Erzählillusion", z.B. weist er den Leser auf Wechsel der
Erzählebenen explizit hin. Die Charaktere sind Malbücher,
die der Leser nach seiner eigenen Fantasie gestalten kann. Kein
großartiges Buch.
"Die letzten
Tage der Menschheit", Karl Kraus (1922)
Erster Satz: Die unwahrscheinlichsten
Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen; ich habe
gemalt, was sie nur taten.
Letzter Satz: Ungesund ist hier die
Luft.
Ein Theaterstück über den ersten Weltkrieg. Ich hatte
ein gehobeneres "Im Westen nichts Neues erwartet", was herauskam,
war ein schwer verständliches Stück, fast
ausschließlich aus Montagen bestehend, nur wenige Figuren
treten öfter auf, über die Sinnlosigkeit des Kreiges. Ich
glaube, das Vorwort ist das Interessanteste daran.
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